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Die deutsche Glasindustrie im Blickpunkt
Die deutsche Glasindustrie im Blickpunkt
Die deutsche Glasindustrie konnte ihren Umsatz im vergangenen Jahr dank hoher Zuwachsraten im ersten Halbjahr steigern, trotz der allgemein schwachen Wirtschaftslage, deren Auswirkungen sich auch die Glasbranche nicht entziehen konnte.
Konjunkturmotor Export
Die Branche konnte 2000 gegenüber dem Vorjahr ihren Umsatz um 4% auf 8,8 Mrd. € erhöhen. Dieses Wachstum war vor allem die Folge eines heftigen Anstiegs der Exporte, die dank der Zunahme um 12,7% mit 3,7 Mrd. € einen neuen Rekordwert erreichten. Mit einem Plus von 1,6% auf 5,9 Mrd. € blieb die Entwicklung im Inlandsgeschäft allerdings deutlich hinter den in sämtlichen Produktbereichen gestiegenen Exportumsätzen.
Die deutsche Glasindustrie umfasst über 440 Branchenbetriebe, beschäftigt rund 65.600 Mitarbeiter und liefert ihre Produkte weltweit in mehr als 200 Länder. Bedeutendste Teilbranche ist mit einem Anteil von 33,7% am Gesamtproduktionswert die Flachglasbearbeitung und -veredelung. Auf den Bereich Gebrauchs- und Spezialglas (einschließlich Hohlglasveredelung) kommen 20,5%, auf Behälterglas 17,2% und auf Mineralfasern 12,8%. Dazu kommen die Sektoren Flachglasherstellung mit 9,5% und Kristall- und Wirtschaftsglas mit 6,3% Anteil.
Größter Abnehmermarkt ist mit einem Anteil von 35% am Produktionswert die Bauindustrie, gefolgt von der Ernährungs- und Getränkeindustrie (15%), der Kraftfahrzeugindustrie (12%), der Elektro-- und Elektronikindustrie (8%) sowie Haushalt und Gastronomie (8%).
Kleinere Einzelmärkte sind Medizin, Forschung und Wissenschaft (6%), Chemie, Pharmazie, Kosmetik (5%), Möbelindustrie und Innenausbau (5%), Kunststoff- und Textilindustrie (3%) sowie sonstige Anwendungen (3%).
Trotz Schwierigkeiten in einzelnen Bereichen, speziell im Sektor Behälterglas, konnte die deutsche Glasindustrie 2000 dank des erzielten Wachstums ihre in den letzten Jahren gefestigte Wettbewerbsfähigkeit weiter verbessern. An dieser Entwicklung maßgeblich beteiligt waren die Auslandsgeschäfte. So konnte die Branche, den Auslandsumsatz - von der Währungsentwicklung begünstigt - um 9,3% auf 3 Mrd. € steigern. Damit erhöhte sich der Anteil des Auslandsgeschäfts am Gesamtumsatz gegenüber 1999 (38,6%) auf 41,9%.
Prozentual noch stärker als die Exporte stiegen 2000 die Importe, woran vor allem die Bereiche Automobilglas, Spezialglas und technische Gläser beteiligt waren. Mit eingeführten Glaserzeugnissen im Wert von 2,8 Mrd. € legten die Importe um 17,9% zu und erreichten einen Anteil auf dem Inlandsmarkt von 32,3% (vorher 29,2%). Besonders kräftig war der Importanstieg aus den USA (+64,4%) und aus Asien (+52,5%), wohingegen die Einfuhren aus Ländern der EU nur um 7,3% und die aus Mittel- und Osteuropa um 10,1% zunahmen.
2001: Wachstum dank hoher Exporte im ersten Halbjahr
Wie für viele andere Wirtschaftszweige war die Entwicklung im vergangenen Jahr sehr uneinheitlich. Nach kräftigen Steigerungsraten Anfang 2001 wurde das Wachstum der deutschen Glasindustrie im Jahresverlauf deutlich schwächer. Nach vorläufigen Zahlen konnte die Branche jedoch 2001 vor allem dank des starken Exportwachstums im ersten Halbjahr insgesamt einen Umsatzzuwachs von 2,1% auf 9,005. Mrd. € erzielen.
Zwar hat der Export in der zweiten Jahreshälfte 2001 erheblich an Dynamik verloren und im Monatsvergleich mit dem Vorjahr dessen Niveau nicht mehr erreicht. Doch dank des im ersten Quartal verbuchten Exportzuwachses von immerhin 15% konnte die Branche ihren Export auf das ganze Jahr hochgerechnet um 4,3% auf 3,045 Mrd. € ausbauen. Im Gegensatz zum Export verzeichnete die Glasindustrie im kontinuierlich verhaltenen Inlandsgeschäft keine Abflachung. Die Inlandsumsätze nahmen den Schätzungen zufolge im Jahr 2001 um 1,1% auf rund 6 Mrd. € zu. Dabei verlief die Entwicklung uneinheitlich: Während bei Flachglas und Spezialglas höhere Inlandsumsätze erzielt wurden, gab es im Bereich Behälterglas ein Minus von 3%, das durch Wachstum im Export insgesamt jedoch überkompensiert wurde.
Hoffen auf Belebung im zweiten Halbjahr 2002
Mit Prognosen für das Jahr 2002 bleiben die Branchenexperten angesichts der aktuellen Wirtschaftstage zurückhaltend. Bei moderaten Absatzerwartungen im Inland erwartet die Glasindustrie für 2002 einen unter dem Vorjahr liegenden Geschäftsverlauf. Als Indiz dafür kann die Auftragsentwicklung der Branche gelten. Die Auftragseingänge haben Ende 2001 das Vorjahresniveau um rund 1,6% unterschritten, wobei sowohl die Inlandsaufträge (-1,4%) als auch die Auslandsaufträge (-1,9%) rückläufig waren. Das heißt, die Absicherung des Wachstums durch den Export wie im zurückliegenden Jahr wird im laufenden Jahr schwierig werden. Sollten sich die Prognosen einer wirtschaftlichen Erholung in der zweiten Jahreshälfte aber bestätigen, werden sich die damit verbundenen Wachstumsperspektiven für die gesamte Branche positiv auswirken.
Das Inlandsgeschäft wird stark von der Entwicklung in den Abnehmerbranchen der Glasindustrie bestimmt. Grob gesagt ist ungefähr ein Dritte des Geschäftes der Glasindustrie bauabhängig, ein weiteres Drittel ist abhängig vom Bereich Verpackungen. Hier gibt es teilweise - wie bei Wein und im Food-Bereich - positive Entwicklungen, aber auch strukturelle Probleme. So in jenen Getränkesegmenten, die in Konkurrenz zu PET stehen. Das restliche Drittel hängt von der Investitionsgüterkonjunktur ab, deren Entwicklungen im Augenblick ebenfalls schwer zu beurteilen ist.
Wachstumschancen im Hightech-Sektor
Während die Glasindustrie in Standardbereichen weiter von der Entwicklung des allgemeinen Konjunkturverlaufs und der entsprechenden Abnehmerbranchen abhängt, bestehen in speziellen Segmenten neue Möglichkeiten für den Einsatz von Glaswerkstoffen. Deutliche Wachstumschancen rechnet sich die Glasindustrie zukünftig vor allem in den so genannten Hightech-Bereichen aus, also bei der Anwendung von Spezialgläsern. Ein solcher potenzieller Markt ist beispielsweise die neue Technologie des gläsernen Chips, der nicht mehr auf Metallverbindungen sondern auf Glasverbindungen basiert. Zwar sind hier keine großen Mengen zu erwarten, doch verspricht die erzielbare hohe Wertschöpfung ein gutes Geschäft.
Ähnliches gilt für den Markt der Isoliergläser. Bei Standard-Isolierverglasungen ist die Wertschöpfung auf Grund der ausgeprägten Konkurrenz gering. Mit speziellen Beschichtungen kann eine hoher Wertschöpfung erreicht werden. Beispiele sind elektrochrome oder gasochrome Verglasungen sowie wasseranziehende oder wasserabweisende Beschichtungen für den Selbstreinigungseffekt.
Eine herausragende Möglichkeit, sich über den Stand der Technik, Tendenzen und mittelfristige Entwicklungen in der Glasindustrie zu informieren, bietet die glasstec.
Quelle: Ogis GmbH – www.glassglobal.com, Glass Ingenieur – www.glassnet.de