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Thema des Monats Mai: Rückblick - Weltkonzerne auf dem Spezialglassektor 2002
Die Rezession im High-Tech und Elektroniksektor haben den Bedarf an Spezialglasprodukten einbrechen lassen.
Corning berichtet, dass sie damit begonnen haben, den Konzern umzugestalten und ihn auf die neue Situation des Marktes anzupassen. 2002 hätten sie sich unbarmherzig auf einen klaren Plan mit wenigen prägnanten Punkten konzentriert, nämlich die finanzielle Gesundheit des Unternehmens zu bewahren und im Jahr 2003 wieder schwarze Zahlen zu schreiben.
Im Laufe des Jahres – wobei noch keinerlei Erholung auf dem Telekommunikationssektor ersichtlich war – erreichten sie, das Unternehmen zu reorganisieren und die Kostenstruktur dramatisch zu senken. Der Corning Technologie Bereich schrieb ein starkes Jahr und hat sich offensive Ziele für sowohl Verkauf als auch Gewinnwachstum für 2003 gesetzt, hier besonders die Geschäftsbereiche für Flüssigkristall-Displays, Umwelt und Halbleiteroptik. Dies sind starke Sektoren die weiterhin die Maßstäbe in ihren Geschäftsbereichen setzen und die ein hohes Wachstumspotential aufweisen. Die Fixkostenstruktur wurde ebenfalls gesenkt, um die Geschäftsbereiche für optische Fasern und Kabeltechnologie in die schwarzen Zahlen zurückzuführen. Corning setzte seine Pläne um, verschiedene seiner Glasfaserfabriken zu schließen und die weltweiten Kabelaktivitäten zu rationalisieren. Sie berichtet, dass aus ihrer Sicht, die Märkte für optische Fasern und Kabel auf kurze Sicht gesehen weiterhin herausfordernd bleiben und dass der Markt für optische Komponenten weiterhin sehr schwach bleibt.
Osram Sylvania hat ebenfalls Pläne verlauten lassen, seine Glasaktivitäten zu konzentrieren. Das Unternehmen verlegte die Herstellung für Leuchtstofflampen und führte auch die Produktion von Glühlampen in seinem Hauptwerk in Wellsboro Pa. zusammen. Die Hütte in Central Falls produziert weiterhin das andere Hauptprodukt des Unternehmens, Borosilikatglas für Lichtbogenlampen.
„Schnelle und dramatische Änderungen des Weltmarktes für unsere Glasprodukte während der letzten drei Jahre ergaben eine erhebliche Unterauslastung der drei nordamerikanischen Osram Sylvania Glashütten“ so Asahel Parmelee, Hauptgeschäftsführer der Precision Materials & Components Abteilung des Unternehmens. Er führt weiter fort, dass der Bedarf an Fertigprodukten niedriger ausfiel als geschätzt, sowie dass Fusionen in der lampenherstellenden Industrie und auch der Import von Lampen aus Ländern außerhalb der USA zu der derzeitigen Situation beigetragen haben.
Saint Gobain Glass berichtet, dass der Glasfasergewebebereich durch Preisdruck einem Abwärtstrend unterliegt. Trotz des steilen Anstiegs im Herstellungsvolumen war dies der einzige seiner Glasbereiche, der einen leichten Verkaufsrückgang im vergangenen Jahr hinnehmen musste.
Allerdings unterlagen nicht alle Spezialglasbereiche einem Rückwärtstrend. Raymond W. LeBoeuf, Vorstandsvorsitzender des PPG-Konzerns äußerte sich folgendermaßen: „Wir erwarten, dass die Weltwirtschaft auch in 2003 wieder herausfordernd sein wird“. Die Verkaufszahlen von PPG stiegen leicht und die Einnahmen stiegen um 7 Millionen US$. Dies erreichte man durch Gemeinkostenreduzierung und höhere Produktionsauslastung, trotz niedrigerer Preise, höherem Aufwand für Pensionen und medizinischer Kosten für Ruheständler.
Der deutsche Weltkonzern Schott berichtet, dass er trotz schwieriger Bedingungen noch auf Kurs sei. Es werden leicht rückläufige Verkaufszahlen verzeichnet. Der wiedererstarkte Euro ist als Exporthelfer in den amerikanischen und asiatischen Raum nicht mehr so hilfreich. Die gesamten Auftragseingänge schwächten sich gegenüber dem Vorjahr abermals leicht ab. Die Hauptmärkte von Schott entwickelten sich jedoch unterschiedlich. Während der Telekommunikations- und Halbleitermarkt praktisch zusammengebrochen ist und daher die Aktivitäten der Konzerngesellschaften Schott Optovance Inc., Southbridge/USA sowie Schott Telecom Optics GmbH, Mainz, eingestellt wurden, zeigten sich die Märkte für Haushaltsgeräte und Pharmaverpackung in relativ stabiler Verfassung.
Die Geschäftseinheit „Advanced Optical Materials and Components“ litt insgesamt stark unter der Konjunkturschwäche. Immer noch positiv entwickelten sich einige optische High-Tech-Materialien und spezielle Komponenten für die Chipherstellung. Der Auslandsanteil des Schott Konzerns, d.h. Exporte aus Deutschland plus Umsätze aus ausländischer Produktion, liegt unverändert zum Vorjahr bei 79%.
Ähnlich berichtete auch Asahi Glass, dass er seinen Nettoverlust aus dem vorigen Geschäftsjahr geschmälert hat. Der japanische Spezialglashersteller berichtet nunmehr, dass er einen Nettoverlust von 5 Millionen Yen für das am 31. März endende Geschäftsjahr erwartet, womit dieser ein wenig geringer ausfällt, als mit vorher geschätzten 6 Millionen Yen. Das Unternehmen fügt hinzu, dass die Verbesserung im Bereich seiner Hauptgeschäftstätigkeit, sowie die Anwendung steuerwirksamer Buchführung dazu beigetragen hat, die Verluste aufzuheben, die aus der Produktionsstillegung einer nordamerikanischen, mit dem Corning Konzern gemeinsam betriebenen, Bildröhrenfabrik herrührten.
Die vorsichtige Einschätzung der weltwirtschaftlichen Lage hat sich als richtig erwiesen. Die anfängliche konjunkturelle Erholung zu Beginn des Jahres 2002 war nur vorübergehend. Eine weiterhin geringe Investitionstätigkeit und eine rückläufige Konsumneigung der privaten Haushalte haben das Wachstum der US-Wirtschaft verlangsamt. In der EU haben sich die konjunkturellen Impulse abgeschwächt. Die Binnennachfrage verharrte auf niedrigem Niveau, vom Export gingen keine gravierenden Wachstumsimpulse aus. Dagegen profitierten die osteuropäischen EU-Beitrittskandidaten – ebenso wie die Märkte in Asien – von einer dort stabilen Inlandsnachfrage. Die Finanzmarktkrise in Argentinien, politische Risiken in Brasilien sowie die Unruhen in dem Erdöl exportierenden Venezuela belasteten das konjunkturelle Klima in Nord- und Südamerika.
In Deutschland hatten sich die Wachstumserwartungen zuletzt weiter abgeschwächt. Die Unsicherheit über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung und die sich abzeichnende steigende Steuer- und Abgabenlast hemmten die Investitionsneigung der Unternehmen sowie die Konsumausgaben in Deutschland. Die Exporte bewegten sich dagegen weiterhin auf hohem Niveau. Laut neuestem Frühjahrsgutachten der Arbeitsgemeinschaft wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute wird das Bruttoinlandsprodukt 2003 lediglich um 0,5% ansteigen.
Betrachtet man nunmehr alle drei Sektoren der Glasindustrie - Hohlglas / Flachglas / Spezialglas - kann als gemeinsames Fazit gesagt werden, dass sich die Unternehmen insgesamt in einer angespannten Lage befinden. Vielerorts gilt momentan eine Durchhaltetaktik mit gleichzeitiger Konsolidierung unwirtschaftlicher Sektoren, die leider nicht ohne weitere Produktionsstillegungen und Personalverringerung auskommen wird. Es ist zu hoffen, dass sich die angespannte Lage mittelfristig bessert und sich die Weltmärkte wieder erholen.
Quelle: OGIS GmbH, www.glassglobal.com
(Die vorstehenden Informationen wurden aus öffentlich zugänglichen Informationen in Jahresberichten und Pressemitteilungen generiert.)