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Thema des Monats Juni:Der Ukrainische Glassektor – Ruhe vor dem Sturm?
Ein kurzer Rückblick
Die Ukraine ist ein noch relativ junger Staat im Osten Europas. Obwohl sie erst vor knapp über einem Jahrzehnt (1991) unabhängig wurde, hat das Ukrainische Volk eine weit zurückreichende Geschichte. Archäologische Ausgrabungen im Stadtgebiet der Hauptstadt Kiew bezeugen, dass es hier bereits im 10.Jahrhundert Glashütten gab.
Die industrielle Entwicklung der Glasindustrie in der Ukraine begann allerdings erst gegen Ende des 19.Jahrhunderts, zeitlich zusammenhängend mit der Erschließung der Kohlelager in Donetsk, wo nicht nur große Vorkommen von Kohle und Eisenerz entdeckt wurden, Dort wurden auch noch Dolomit, Kalkstein und qualitativ hochwertiger Sand gefunden. Schon zum damaligen Zeitpunkt wurden hiervon viele westliche Investoren angezogen (besonders aus Belgien und Deutschland), die Geld in die Errichtung von Glashütten investierten. Die Glashütte in Konstaninovka z.B. wurde auf Betreiben eines Unternehmers aus Belgien erbaut und in 1897 angetempert. In dieser Fabrik wurden zwei, für die damalige Zeit riesige, Hafenöfen mit einer Kapazität von je 320 Tonnen errichtet.
Rohstoffe
Die Ukraine ist sehr reich an Rohstoffen für die Glasherstellung. Zur Zeit werden in 8 Vorkommen Dolomit abgebaut und in über 30 Gruben Sand gefördert. Zwei Sodafabriken und zwei Aluminiumhütten werden im Land betrieben.
Die Situation erscheint wirklich etwas befremdlich–Rohstoffe wie Soda, Aluminium und Dolomite werden in großen Mengen gefördert und anschließend aus der Ukraine exportiert. Es kann nicht verleugnet werden, dass es wesentlich effektiver wäre, die daraus entstehenden Produkte wie Flachglas und andere Glasprodukte zu exportieren. Diese Situation wurde von der Landesregierung sehr wohl erkannt und aufgrund dessen wurde ein Sonderprogramm zur Unterstützung der Errichtung von Flachglasfabriken in der Ukraine entwickelt.
Es kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass der größte Gewinn durch dasjenige Unternehmen erzielt wird, welches zuerst den Ukrainischen Markt für sich entdeckt.
Glasherstellung
Zu Zeiten der Sowjetunion, als das Gebiet der Ukraine noch zur UdSSR gehörte, waren 70 Glashütten in Betrieb, von denen 6 Flachglas für die Fensterherstellung produzierten. Nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion verließen die Unternehmen das Land und jetzt sind von diesen Hütten nur noch 40 verblieben. In nur drei dieser Hütten wird Bauglas hergestellt.
Heute arbeitet in der Ukraine nur noch eine Flachglashütte. Sie befindet sich in Lisichansk (im Gebiet Lugansk) und ist in Regierungsbesitz. Die tägliche Produktionsleistung auf 3 Flachglaslinien beträgt 42.000m².
Der Hauptteil der Produktion jedoch (über 80%) wird exportiert. Niedrige Kosten für Strom, Rohstoffe und Arbeitskräfte erlauben das in der Ukraine hergestellte Flachglas zu sehr günstigen Bedingungen auszuführen. Die für den Inlandsmarkt verbleibenden 20% erscheinen nunmehr bei weitem nicht ausreichend.
Deshalb ist es nur logisch, dass der starke Anstieg bei der Nachfrage nach Isolierglas, Glasmöbeln und anderen Produkten aus Glas in den Jahren 2002-2003 zu einem Mangel an Flachglas in der Ukraine geführt hat. Dies wiederum hatte zur Folge, dass die Importe angestiegen sind. Betrugen sie im Jahr 2001 noch 1,32 Mio. m² und erreichten sie 2002 bereits 2,4 Mio. m².
Dies bedeutet, dass in nur einem Jahr der Import von Flachglas in die Ukraine um ca. 80% zugenommen hat. Anhand dieser Zahlen kann man schätzen, dass die Ukraine im Jahr 2003 ca. 4-5 Mio. m² Flachglas importieren wird.
Abgesehen von der Glashütte in Lisichansk wird Flachglas auch noch von zwei weiteren Hütten hergestellt, die allerdings nach der Fourcault-Methode produzieren. Die erste steht in Konstaninovka (Gebiet Donetsk) und produziert täglich 22.000m² Flachglas. Die zweite Hütte befindet sich in Lviv. Ihr tägliches Produktionsvolumen beträgt 5.000 m².
Bis vor kurzem gab es in Lisichansk noch eine weitere Glashütte, aber nach einem fehlgeschlagenen Privatisierungsversuch ist das Unternehmen in Konkurs gegangen.
Die Situation der Glasindustrie in der Ukraine kann also wie folgt charakterisiert werden: Die Gesamtproduktion Flachglas für das Jahr 2002 beträgt 25,4 Mio. m², wovon 14,8 Mio. m² exportiert wurden, im Gegenzug haben die ukrainischen Verbraucher 2,4 Mio. m² Flachglas aus dem Ausland importiert.
Glasverarbeitung
Bezüglich des Ukrainischen Marktes der Glasverarbeitung kann gesagt werden, dass er sich in den letzten 2-3 Jahren zügig entwickelt hat. Seit 2001 hat die Anzahl an Maschinen für die Glasverarbeitung in der Ukraine um den Faktor 2,8(!) zugenommen. Der Hauptanteil der angeschafften Maschinen sind einfache Ausrüstungen aus ukrainischer, russischer und tschechischer Fertigung, sowie gebrauchte Anlagen aus Italien oder Deutschland. Die Hauptursache hierfür sind geringe Investitionskapazitäten der ukrainischen Geschäftsleute sowie das Kreditsystem in der Ukraine.
Andererseits konnten diejenigen Unternehmen, die in der Lage waren, ausländisches Kapital anzuziehen, teurere und somit bessere (und auch automatische) Anlagen für die Glasbearbeitung anschaffen.
Als Beispiel kann hier das Unternehmen Saint Gobain genannt werden. Ihre Investitionen in eine Handelsabteilung des Unternehmens in der Ukraine, die vor ca. 5 Jahren getätigt wurden, haben die Hoffnungen der Investoren über alle Maßen hinaus bestätigt. Jetzt ist Vitrage Saint Gobain nicht nur einer der bekanntesten Glashändler in der Ukraine sondern ist auch eines der größten Unternehmen für die Glasbearbeitung im Land.
Ukraine oder Russland?
Es ist klar ersichtlich, dass, wenn man die beiden Märkte Russland und Ukraine miteinander vergleicht, der erstere für ausländische Investoren wesentlich attraktiver aussieht als der letztere. Aber dies nur auf den ersten Blick.
Es ist wichtig, folgende Tatsache zu berücksichtigen: der russische Glasmarkt ist bereits ins Letzte entwickelt, wobei derjenige in der Ukraine noch viel Potential für vielerlei Aktivitäten offen hält.
Die Glasindustrie in der Ukraine bietet erhebliches Potential für moderne Technologien für Glaser, die in letzter Zeit auch vermehrt unter den Besuchern von Glasmessen und Konferenzen zu finden sind.
Bereits jetzt hat der Bedarf an Glasprodukten in der Ukraine stark zugelegt. Für die nächsten zwei bis drei Jahre kann ein noch weiter steigender Bedarf für die bestehende Produktion erwartet werden.
Als Grundlage für diese Schlussfolgerung hat die Analyse der jetzigen Situation des Glasmarktes in der Ukraine in Kombination mit folgenden statistischen Daten gedient: Das Territorium der Ukraine umfasst 603.7 tkm³, oder anders ausgedrückt 5,7 % des Gebietes von Europa. Flächenmäßig ist sie größer als Frankreich (544 tkm³), Spanien (505 tkm³), Schweden (450 tkm³), Deutschland (356,3 tkm³) oder Polen (312,7 tkm³). Hinsichtlich der Bevölkerungszahl nimmt die Ukraine Platz 5 in Europa ein (nach Deutschland, Italien, Großbritannien und Frankreich) und Platz 21 bei der Welbevölkerung. Der Anteil der Ukrainischen Bevölkerung an der Bevölkerung Europas beträgt 7,3 % (dies sind 1% der Weltbevölkerung). Zu Beginn des Jahres 2001 hatte die Ukraine 49,5 Millionen Einwohner.
Wie bereits zuvor gesagt ist es möglich, hieraus den folgenden Schluss zu ziehen: die Ukraine ist ein ehrgeiziger und aufstrebender junger europäischer Staat mit stark steigendem Bedarf sowohl an Glas als auch Glasprodukten. Jeder Investor, der jetzt Gelder in die Entwicklung des ukrainischen Glasmarktes investiert kann sicher sein, dass diese Investitionen in einigen Jahren hohe Gewinne abwerfen werden.
Quelle: OGIS GmbH, www.glassglobal.com