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Thema des Monats November

Die Ost-Erweiterung Europas (1)

Ob günstige Produktionskosten oder ausreichend Arbeitskräfte, Osteuropa bietet deutliche Vorteile für Glashersteller die den High-Tech Sektor bedienen.

Hersteller haben jetzt mehr Gründe als je zuvor, sich in Richtung Osten zu orientieren. Die Automobil- und High-Tech-Industrien kommen bei den stark wachsenden Märkten Mittel- und Osteuropas merklich in Schwung. Diese Region hält nicht nur an ihrer Forderung fest, eine Produktionsstätte für die westeuropäischen Länder und auch andere zu sein, sondern ihre eigenen Märkte wachsen sogar stärker. Einer der Hauptgründe für Ansiedlungen in Ländern wie Polen, der Tschechischen Republik und Ungarn sind die, im Vergleich zu anderen, industrialisierteren Ländern, niedrigeren Kosten für Löhne, Grundstücke, Energien sowie für Produktionsnebenkosten. Da diese drei und andere Länder sich auf den Eintritt in die Europäische Union (EU) innerhalb der nächsten Jahre vorbereiten, werden die Vorteile, sich dort anzusiedeln, sogar noch deutlicher.

Firmen müssen eine Reihe verschiedener Faktoren bei der Bestimmung der besten Standorte Ihrer Fabriken berücksichtigen. In Osteuropa, so wie überall, berücksichtigen die Hersteller hier die Ansiedlung ihrer Kunden genauso wie die Standorte ihrer Zulieferer. Viele Firmen haben sich in den frühen 90er Jahren, nach Fall des Eisernen Vorhanges angesiedelt und haben seitdem ihre Betriebe erweitert. Sie haben oft eine Partnerschaft mit anderen Firmen gesucht, bevor sie ihre eigenen Zweige eröffnet haben. Obwohl es nicht unbedingt ein Faktor für die ursprüngliche Standortbestimmung gewesen war, sehen Industriegiganten wie Visteon, Honeywell und Guardian Industries der bald stattfindenden Osterweiterung der EU positiv entgegen. Das Wegfallen von Handelshemmnissen und Zollschranken ist der am meisten erwartete Vorteil, da ein reibungsloser Transfer die Leistungsfähigkeit der Logistikkette verbessert.

Polen

Polen mit einer Bevölkerungszahl von über 40 Millionen, bietet einige Vorteile gegenüber anderen Ländern in dieser Region, nämlich dass es nicht nur gemeinsame Grenzen mit Deutschland und Skandinavien hat, sondern auch noch mit vier weiteren Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Einer der Industriezweige mit den besten Wachstumsaussichten ist der Baumaterialiensektor – der von der U.S. Welthandelsorganisation auf 10,1 Milliarden US-Dollar geschätzt wird.


Eines der Unternehmen, die kürzlich eine Fabrik in Polen eröffnet haben ist der in Auburn Hills (Michigan/USA) ansässige Konzern Guardian Industries Corporation, Hersteller von Flachglas und veredelten Flachglasprodukten für die Bau- und Automobilindustrie.

Die neue Fabrik von Guardian Industries in Tschenstochau, ca. 100 km nördlich von Krakau in Südpolen gelegen, nahm im Juli ihre Produktion auf. Mit einer Kapazität von 650 Tonnen Flachglas pro Tag beliefert sie die wachsende Industrie- und Wohnungsbauindustrie in Polen und den umliegenden Ländern. Der Fabrikdirektor Janus Eguyd bestätigt, dass die lokalen Vorteile mit dem EU-Beitritt Polens noch aufgewertet werden. " Zusätzlich durch den Wegfall der Grenzverzögerungen werden die sich ändernden Ausführungsrichtlinien von den neuen EG-Mitgliedern verlangen, qualitativ besseres Glas als Baumaterial zu verwenden. Dies wird die Nachfrage nach unseren Produkten erhöhen" so Janus Eguyd. Er führt weiter fort, dass der Markt für Bauglas in Polen, der Tschechischen Republik und den Baltischen Staaten im Bereich von 320 bis 400 Millionen Dollar liegt.

Einer der größten Vorteile für Guardian Industries sich in Polen anzusiedeln ist, dass dieses Land im Mittelpunkt einer wachsenden mitteleuropäischen Wirtschaft liegt, da das, was früher die Ostgrenze Europas bildete, jetzt sich so verschoben hat um Länder wie Weißrussland, die Ukraine und Litauen mit einzuschließen. Das Unternehmen hat sechs weitere Standorte innerhalb des Landes ausgewertet, aber Tschenstochau zeichnete sich aufgrund seiner Lage zu anderen Guardian-Fabriken in der Region aus. Eguyd erklärt " Wir haben Fabriken in Ungarn und den östlichen Bundesländern Deutschlands – der Abstand der Fabrik in Tschenstochau zu diesen beiden ist in etwa gleich. Unsere Pläne sind, die Zusammenarbeit zur Herstellung von Spezialglas mit diesen Fabriken im Oktober aufzunehmen und hierdurch Vorteile bezüglich der Frachtkosten zu realisieren. Jede einzelne Fabrik produziert ein einzigartiges Produkt, dass in den anderen Märkte genutzt werden kann, deshalb wird diese Zusammenarbeit in einer Vielzahl von Aspekte dienlich sein."

Eine wirtschaftliche Transportlogistik ist für Guardian Industries besonders wichtig, da Polen einige Mängel im Bereich der Straßen- und Schienennetze aufweist, obwohl im Großen und Ganzen der Unterschied zu anderen Osteuropäischen Ländern nicht bedeutend ist. "Hier gibt es wenige Autobahnen und auch noch Wochenendfahrverbot in Mitteleuropa", so Egyud. "Das Schienennetz an sich ist gut, aber die Bahnunternehmen selbst sind mit ihren Dienstleistungen nicht flexibel. Das System ist viel zu bürokratisch, was hauptsächlich daran liegt, dass sich 90 % in Staatseigentum befindet. Jedoch sollten sich die Verbesserungen hier innerhalb der nächsten vier oder fünf Jahre beschleunigen" so seine Voraussage.

Ungarn

Das in Mitteleuropa liegende Ungarn mit einer Bevölkerungszahl von über 10 Millionen Einwohnern hat während der letzten zwei Jahre einige bedeutende US-Amerikanische Investitionen in seine Automobilindustrie verzeichnen können. Im letzten Jahr haben die Neuwagenverkaufszahlen gegenüber dem Jahr 2000 um 11,3% auf eine Stückzahl von 150.000 zugenommen. Mit zunehmendem Besitztum wird auch der Bedarf an Motorersatzteilen, Schmiermitteln und anderem Zubehör ebenfalls wachsen. Einer der erfolgreichen Lieferanten für Automobilzubehör ist die in Dearborn, Michigan, ansässige Firma Visteon Corporation, die kürzlich in ihrer 40km südlich von Budapest gelegenen Fabrik in Szekesfehervar die 10-jahres-Feier abgehalten hat. Die Fabrik, als Alba-Fabrik bekannt, nimmt eine Fläche von 150.000 m² ein und es werden dort über 1.400 Leute beschäftigt.

Visteon hat die Absicht, den zweiten Schritt einer zweiphasigen Erweiterung nächstes Jahr zu beenden. Der Fabrikdirektor Gopal Chandramowle sagt: Die Erweiterung umfasst eine Restrukturierung der Lagerung um zusätzliche Produkte unter zu bringen. Um an Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit zu gewinnen wurde die Fabrik einer beträchtlichen Umstrukturierung des Fertigungsverlaufes unterworfen. Was vorher 1.000 m² an Platz benötigte, braucht heute nur mehr fast die Hälfte. Schlanke Fertigung treibt die Produktivität".

Chandramowle sagt weiterhin, dass seit der Fabrikeinweihung im Jahr 1992, die Ungarische Wirtschaft einen unglaublichen Wandel durchgemacht hat. Arbeitskräfte sind reichlich verfügbar und die örtliche Zulieferindustrie sehr dynamisch. Besonders herausstechend sind drei bedeutende Änderungen: Die Bereitschaft der Regierung die wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen, eine Infrastruktur, die internationalen Ansprüchen entspricht und ein Bildungsschwerpunkt der eine an westlichen Maßstäben gemessene Struktur unterstützt. Ungarn ist auch wesentlich günstiger als Westeuropa hinsichtlich Kostenaufwand für Energie und Arbeitskräfte.

Innerhalb Ungarns hat Visteon einen Standort gewählt der genau zwischen der Hauptstadt Budapest und Österreich liegt, und der über das Straßennetz gut erreichbar ist. "Ein weiterer Grund für die Auswahl "Szekesfehervar” war, dass dort bereits ein in diesem Bereich tätiges Unternehmen ansässig war und deshalb die Arbeiter bereits entsprechende Vorbildung aufwiesen. Als dieses Unternehmen privatisiert wurde, wurden Angestellte entlassen, was die Anzahl der zur Verfügung stehenden Arbeiskräfte weiter vergrößerte. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Stadt Anreize bietet, wie z.B. Ausbildungs- und Infrastrukturbeihilfen" so Chandramowle. Eine Ansiedlung in der Nähe seiner Hauptkunden war ebenfalls ein wichtiges Auswahlkriterium für Visteon.

Jedoch war das Hauptkriterium für Visteon die Verfügbarkeit von ausgebildeten Arbeitskräften. Die Infrastruktur der Zulieferkette war knapp dahinter an zweiter Stelle. "Um die Vorteile einer schlanken Fertigung optimal auszuweiten", so Chandramowle, "benötigen wir eine sehr gute Logistikunterstützung um die Lieferung von Gütern und Dienstleistungen von unseren Lieferanten und den Versand der fertigen Produkte an die Endkunden, die über ganz Europa [90%] und weltweit [zu 10%] verstreut liegen, zu gewährleisten.

Chandramowle führt aus, dass die Fabrik ortsansässige Kräfte, die einheimische Liefermöglichkeiten sowie Werkzeuge und Maschinen innerhalb eines Radius von ca. 50-100 km einsetzt. Auf diese Weise, so sagt er, ist die Absatzzeit wesentlich schneller als wenn diese Bausteine weiter verstreut wären. Er fügt weiter hinzu, dass es vor der Ansiedlung des Unternehmens in Ungarn viele falsche Vorstellungen gab, unter anderem zum Beispiel wurde unterstellt, dass Gesetze und Vorschriften undurchsichtig seien und die Arbeitskräfte unflexibel wären.

Nächsten Monat berichteten wir über Bulgarien und die Tschechische Republik.


Quelle: OGIS GmbH, www.glassglobal.com (Die vorstehenden Informationen wurden aus öffentlich zugänglichen Informationen in Jahresberichten und Pressemitteilungen generiert.)

 
 

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