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Thema des Monats Juni
Der Russische Glasmarkt Teil 1 - Flachglas
Ein Überblick über die Entwicklungen auf dem Russischen Glassektor, der in den letzten Jahren ein erhebliches Wachstum und große Investitionen verzeichnen konnte.
Die russische Wirtschaft wuchs um im letzten Quartal des Vorjahres um 7,6%, in seinem fünften Jahr des Wachstums in Folge, und die Glasindustrie ist, was die Leistung dieses Industriezweiges angeht, in die Spitze der Wirtschaft vorgerückt. Die neueste Statistik des Russischen Industrie-Produktionsindex zeigt, dass das Hauptwachstum im Glas- und Porzellansektor zu finden ist, vor dem Maschinenbau, der Bauindustrie, der Metallindustrie und sogar vor der Öl- und chemischen Industrie. Verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres wurde für Februar 2004 ein beeindruckender Anstieg von 28,3 % berichtet, der einen viel versprechenden Trend für die glasproduzierende Industrie und ihre Zulieferer aufzeigt.
Etwa dreihundert Fabriken produzieren derzeit Glas in Russland und dem Zusammenschluss unabhängiger Staaten, wobei der Hauptteil der Produktionsstätten in Russland und der Ukraine liegen. Etwa 45 % der Produktionsleistung wird durch Flachglashersteller erbracht (Quelle: St.PetersburgTimes).
Flachglas
Flachglas wird in der Russischen Föderation derzeit in 13 Fabriken hergestellt, von denen noch 9 nach herkömmlichen Verfahren arbeiten. Daher bietet Russland erhebliche Möglichkeiten für die Flachglashersteller. Darüber hinaus steigt der Bedarf aus der Bau- und Automobilindustrie derzeit kontinuierlich jährlich um etwa 10 %, was innerhalb der internationalen Flachglashersteller erhebliches Interesse geweckt hat. Asahi und Pilkington haben jeweils erst vor kurzem erhebliche Investitionsabsichten angekündigt, um aus diesem Wachstum über die nächsten Jahre Gewinne zu erzielen.
Bereits 1997 hat die japanische Asahi Glass einen Haupt-Anteil am früheren staatseigenen Glaswerk Bor erworben, der der führende Flachglashersteller Russlands ist. 2003 haben sich die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und die International Finance Corporation bereit erklärt, der Glasfabrik 25 Millionen US$ zu leihen, damit eine der zwei Flachglasanlagen der Firma Bor repariert und modernisiert werden kann, sowie für die Fertigstellung einer Verbundglasanlage für Automobilglas.
Die Entscheidung für die Investition in die Verbundglasanlage wurde mit der Absicht getätigt, dass Bor nunmehr Fahrzeug für die Automobilindustrie fertigen kann und letztendlich russische Autoglasprodukte auf europäischen Standard anzuheben. Gleichzeitig wurden ebenfalls Pläne für die Errichtung eines neuen Ofens zur Herstellung von gehärtetem Flachglas enthüllt.
Die Hauptinvestitionen in der Glasfabrik Bor wurden als nötig erachtet, um den Bedarf der russischen Automobilhersteller nach qualitativ höherwertigem Glas zu befriedigen und auch die Anforderungen der internationalen Autohersteller, die die Produktion in Russland starten, zu erfüllen.
In der Vergangenheit war die Tatsache, dass es sehr wenige Hersteller von qualitativ hochwertigen Komponenten in Russland gab, einer der Hauptgründe für internationale Autohersteller, von Investitionen in Russland abzusehen. Die beträchtlichen Investitionen im russischen Glassektor werden aber als positiver Schritt gesehen, diese Haltung zu ändern.
Heute berichten einige ausländische Automobilhersteller eine Ausweitung nach Russland. Die Fabrik der Ford Motor Company, die 2002 ihren Betrieb aufnahm, hat nunmehr beschlossen, im Zweigwerk Vsevolozhsk bei Leningrad eine dritte Schicht einzuführen, um die starke Nachfrage nach ihren Fahrzeugen zu erfüllen und erhöht die Zahl der Mitarbeiter um 410. Vadim Shvetsov, Generaldirektor der Firma Severstal-Avto hat ebenfalls vorausgesagt, dass sich die Verkaufszahlen für Automobile bis 2010 verdoppeln werden. Natürlich ist dieser Anstieg eine sehr gute Nachricht für die Lieferanten von Glas für den Automobilbereich.
Über seine belgische Tochter Glaverbel plant Asahi für 2004 etwa ein Drittel der russischen Glasproduktion zu erobern. Weitere Wachstumspläne wurden kürzlich veröffentlicht, die dieses Ziel unterstützen sollen, wie z.B. die Errichtung einer großen Glasscheibenfabrik in der Nähe von Moskau (nordöstlich). Die Fabrik soll etwa 600 Tonnen Flachglas pro Tag produzieren und Ende 2004 ihren Betrieb aufnehmen. Die Japan Bank for International Cooperation (JBIC) hat dem Glashersteller einen Kredit in Höhe von 108 Millionen $ (ca. 12 Bill. Yen) zur Verfügung gestellt, was einen der höchsten Beträge der JBIC für ein Projekt in Russland darstellt.
Die Investitionen in dem Gebiet werden ebenfalls durch die Entwicklungen auf dem Bausektor angetrieben. Aufgrund der Privatisierungen, die in der Mitte der 90er Jahre stattfanden, wurde ein Markt für Grundbesitz und Baugrundstücke in Russland erschaffen, der auch Industriegebäude, Einkaufszentren, Wohngebäude und Büros einschließt. Daher bieten sich erhebliche Möglichkeiten auf dem Architekturglassektor.
Diese schnelle Entwicklung des russischen Bausektors, der sich auf die Moskauer Region und das Umland konzentriert, wird als einer der Hauptgründe für das Interesse Pilkingtons an diesem Gebiet angesehen. Tatsächlich wird auch gerade Pilkingtons neue Flachglasfabrik für die Region Ramenskoye bei Moskau errichtet, die etwa 193 Millionen Euro (ca. 156 Millionen US$) kosten wird. Die internationale Finance Corporation (IFC) hat hierzu einen Kredit in Höhe von 42,5 Millionen Euro bewilligt, um die Errichtung des Gebäudes zu finanzieren, und die Vorarbeiten für die Anlage sind derzeit in vollem Gange. Das 112 Millionen Pfund teure Projekt soll im Jahr 2005 angetempert werden und seine Anfangsleistung wird ca. 240.000 Tonnen jährlich betragen. Das Projekt wird von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) mit finanziert.
Einer der neuesten russischen Investoren ist die Rossteklo, ein Glashersteller aus Sankt Petersburg, die erst kürzlich Pläne für eine Fabrik im Wert von 250 Millionen US$ veröffentlicht hat, in der sie 20 Millionen Quadratmeter Flachglas pro Jahr herstellen möchte.
Der nächsten Monat folgende 2.Teil beschäftigt sich mit der Behälterglas- und Glasfaserindustrie.
Quelle: OGIS GmbH, http://www.glassglobal.com/ in Zusammenarbeit mit dmg World Media, http://www.glassmediaonline.com/