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Ein Ruck geht durch die ägyptische Glaslandschaft

Die nationalen Lebensmittelverarbeiter Ägyptens haben eine harte Aufgabe, das Glas zu finden, das sie zur Verpackung ihrer Produkte benötigen, da keiner der derzeit vier Glashersteller Ägyptens weder die Kapazität noch die Neigung hat, ihre Aufträge anzunehmen. Sogar die Glashersteller selbst geben zu, dass die Glasindustrie ihres Landes immer von Lieferantengesteuert war. Anders ausgedrückt: die Abfüller, Safthersteller, Brauer und Winzer müssen einfach nehmen, was da ist. Schon die letzten 3 Jahre hat die Glasindustrie Ägyptens es nicht geschafft, den wachsenden steigenden Bedarf des Landes zu decken. Je nachdem, wen man fragt, wird gesagt, dass etwa 15.000 bis 125.000 t Glas jährlich fehlen. Die Glashersteller spielen das Thema grundsätzlich herunter und sagen, dass sicherlich nicht mehr als 60.000 t / Jahr fehlen, großzügig geschätzt.

Peter Carpenter, der Geschäftsführer der Middle East Glass Company (MEG) bestätigt, dass die derzeitige [Produktions]leistung der Glashersteller Ägyptens etwa 140.000 t/Jahr beträgt und gibt gleichermaßen zu, dass der Bedarf wesentlich höher ist. Wir haben enorme interne Forschung betrieben und denken dass der Bedarf etwa bei 200.000 t/Jahr liegt. Es gibt also eine enorme Lücke, besonders für Saft und Marmeladenverpackungen.

Der Istzustand
Die Behälterglas Ägyptens wird von nur vier Unternehmen beherrscht:: Misr Glass Manufacturing (MGM, vormals die staatliche El-Nasr Glass), National Glass Company (Wataneya), Middle East Glass (MEG) und Arab Pharmaceutical Glass (APG). (Zumindest zwei Glashütten werden demnächst hier hinzukommen).

Diese vier Unternehmen haben vergleichbare Produktionsleistungen, zwischen 38.000 und 60.000 t/Jahr. MGM, Wataneya und MEG versorgen ausschließlich die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, während die APG-Fabrik in Suez sich auf Pharmaprodukte spezialisiert hat. APG ist nur ein Nebendarsteller in der Branche. Der Haupt-Aktionär ist das Ägyptische Ministerium für Gesundheit, weshalb die Produktion fast ausschließlich in Medizinfläschchen besteht, obwohl die Gewinnspanne bei Saftflaschen wesentlich höher ist.

MGM hat etwa 50 Mio. Ägyptische Pfund (LE) für Restrukturierungsmaßnahmen in der alten Fabrik investiert. Der Plan war, etwa 150 Mio. LE über einen Zeitraum von 3 Jahren zu investieren. Trotz einiger Komplikationen schreitet dieser ambitionierte Plan ungebremst voran, die derzeitige Produktionsleistung liegt bei 40.000 t/Jahr und es ist geplant für 2006 bereits 70.000 t und Ende 2007 sogar 110.000 t/Jahr herzustellen.

Middle East Glass, die erste Glasfabrik in Privathand begann 1980 und ist in Besitz des jemenitischen Magnaten Shaher Abdel Haq. Als Teil der Shaher Gruppe, die auch 58% an Coca-Cola Ägypten besitzt, wurde die Fabrik vor 25 Jahren errichtet, um den Bedarf an Flaschen zu decken. Des weiteren liefert man an die zwei anderen großen Getränkehersteller des Landes: ABC und Pepsi. Die gesamte Produktion von 50.000 t/Jahr der MEG geht somit an die Getränkeindustrie.

Das Unternehmen wird jetzt auch für ausländische Investoren interessant. Eckstein der Wachstumspläne der MEG für die kommenden 3 Jahre ist es nicht nur die Kapazität für den wachsenden Inlandsmarkt zu erhöhen sondern auch in den Export zu gehen. Gebaut in der Mitte der 80er Jahre begann Wataneya mit Sitz in Tenth of Ramadan seine Produktion kurz nach MEG. Besitzer ist die National Development Bank. Ähnlich MGM stellt sie nicht nur Flaschen für die Getränke- und Saftindustrie sondern auch Verpackungsglas her. Die jährliche Produktionsleistung liegt bei etwa 46.000 t. Es gibt derzeit Vermutungen, dass die Fabrik finanzielle Schwierigkeiten verzeichnet, was sich auf die Expansionspläne der anderen Player durchaus auswirken kann.

Woher kommt die Knappheit?
Es gibt nur 3 Glashersteller, die die Lebensmittel- und Getränkeindustrie Ägyptens mit Glasverpackungen versorgt und 75 Mio. Menschen, die in Glas verpackte Lebensmittel konsumieren. Der enorme Anstieg im Lebensmittel verarbeitenden Sektor während der letzten 5 Jahre (um etwa 35%) hat zum steigenden Bedarf enorm beigetragen. So hat der größte Safthersteller Ägyptens, Faragallah, wohl einen großen Anteil an der Knappheit. Fünf Jahre zuvor begannen sie mit Aufträgen für 5-6 Mio Flaschen/Jahr und liegen jetzt bei 150 Mio Flaschen. Alle 3 Hersteller, MGM, Wataneya und APG beliefern Faragallah.

Ausländische Hersteller stehen bereit, um unerfüllte inländische Anfragen zu erfüllen. Die zwei Glashersteller des Libanon haben bereits größere Aufträge gewinnen können werden aber nicht als ernsthafte Konkurrenz angesehen. Die ägyptischen Glashersteller können es sich erlauben, kleinere Aufträge laufen zu lassen und starten erst bei mindestens 5-7 Millionen Stück.

Glasimporte - die Lösung?
Die großen Unternehmen haben keinerlei Probleme mit den jetzigen Glasherstellern, aber der größte Teil der Firmen auf dem Markt ist nicht so mächtig. Die Mehrzahl unter ihnen sind Mittel- bis Kleinbetriebe, die qualitativ hochwertige Verpackungen und ansprechendes Design in mittleren Stückzahlen benötigen, die auf dem ägyptischen Markt nicht erhältlich sind.

Ein Hersteller erklärt, dass das Problem bei kleineren Aufträgen nicht nur in der Formenbeschaffung liegt. Das Wechseln von einem Satz zum anderen kann drei, vier Stunden dauern, aber auch 24; das ist schwer vorherzusagen. Jede Ausfallzeit bedeutet Gewinnausfall. Unsere Öfen müssen 24 Stunden/Tag brennen, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Wenn wir einen Formwechsel vornehmen oder Wartungsarbeiten und -reparaturen an den Maschinen durchführen, laufen weiter Rohstoffe in den Ofen. Wenn die Maschinen nicht arbeiten, werden daraus Scherben. Daher sind kleine Aufträge und Sonderformen für uns sehr problematisch.

Wenn ich einen kleinen Auftrag für eine Form habe, die ich bereits auf meiner Anlage fahre, dann habe ich kein Problem, fügt ein anderer hinzu, aber jeder möchte jetzt eigene Designs fahren, und er zeigt auf 6 verschiedene Designs einer Flasche mit gleichem Füllgehalt, die in seinem Unternehmen hergestellt werden. Ich denke, es ist eine Verschwendung von Ressourcen, so viele Unterschiede zu haben.
Die Lebensmittelverarbeiter allerdings beschweren sich über den Mangel an Vielfalt und den ewig gleichen Look im Regal, weil die Hersteller alle die gleichen Formen nutzen. Importierte Glasverpackungen sind fürchterlich teuer, wenn man die Versandkosten rechnet und Einfuhrzoll von 55% und machen dadurch solche Produkte für den ägyptischen Markt absolut unattraktiv.

Die Konkurrenz schläft nicht...
Aber die Konkurrenz steht schon in den Startlöchern und als nächstes wird wohl Al-Ahram Beverages in den Markt eintreten, ein Schwergewicht mit einem berechtigten Interesse an diesem Industriezweig. Zwei haben bereits ihren Zug gemacht. Kama Glass in Tenth of Ramadan und Wadi Foods in Sadat City. Beide treten in eine sehr Kapital intensive Industrie ein, in der technisches Know-How von entscheidender Bedeutung ist.

Wadi Foods hat 90 Millionen LE in die erste Ausbaustufe einer 55.000 m² Fabrik investiert, die zuerst mit nur einem Ofen arbeiten wird. Wir haben uns entschlossen, mit einer kleinen Leistung anzufangen, sodass wir schnellstmöglich mit der Produktion starten konnten, so Wadi Holding Vize-Präsident Ramzi El-Nasrallah.

Das Unternehmen betont, dass es nicht daran interessiert ist, den etablierten Herstellern Konkurrenz zu machen, sondern in einer Nische tätig werden will, die dem Unternehmen sehr wichtig ist - kleine und mittlere, exportorientierte Lebensmittelverarbeiter, die derzeit Glas aus Italien, Spanien, den Emiraten und Saudi-Arabien importieren, und das zu 6- bis7-fachen Preisen von in Ägypten hergestellten Glasverpackungen. Die Ortswahl erfolgte ebenfalls unter strategischen Gesichtspunkten: es gibt keine andere Glasfabrik für diese Gegend - sie ist gut gelegen zu den Städten Sixth of October und Alexandria. Waren können direkt von der Wüstenpiste zum Hafen verschickt werden.

Etwa 2-5 Prozent der Produktion sind für die eigene Verwendung bestimmt. Der Rest geht in den lokalen Markt (bis zu 25%) und die verbleibenden 70% sind für den Export bestimmt. Die Fabrik soll im letzten Quartal 2006 ihren Betrieb aufnehmen.

Kama Glas, die bereits vor Wadi Foods mit den Bauarbeiten der neuen Fabrik begannen, wollen bereits Ende diesen Jahres die Produktion starten.

Enormes Export-Potential
Ägyptens Potential, ein Glasexporteur zu werden sieht derzeit gut aus. Sand, der Haupt-Rohstoff für die Glasherstellung ist auf dem Sinai im Überfluss vorhanden. Tatsächlich exportiert Ägypten bereits Sand an Glashersteller in der Region. Wenn man dies mit den zur Verfügung stehenden Arbeitskräften und der Infrastruktur kombiniert, fügt sich alles zusammen. Ägypten könnte evtl. sogar die Glashersteller Europas ersetzen, es hat das Potential ein großer Glas-Exporteur zu werden und darüber hinaus noch enorme Erdgasreserven.

Die Glaslieferanten für die Region, nicht nur aus Ägypten sondern auch dem Libanon, Saudi Arabien, Bulgarien, Dubai und Südafrika, sind das Jahr 2006 hindurch komplett ausgelastet. Die Lebensmittelverpacker jedoch wollen unbedingt die zu erwartende höhere Produktion direkt abfangen, um den inländischen Bedarf zu decken, bevor die Hersteller auch nur daran denken können, zu exportieren.

Vorerst können wir uns auf Exporte nach Afrika konzentrieren, so ein Hersteller, und wenn unsere Qualität besser wird, können wir auch Europa angehen. Der Markenname "Made in Egypt" ist vielleicht noch ein Hindernis, aber ich denke kein unüberwindliches. Es wird nur ein wenig Zeit brauchen, die Industrie ist an einem wichtigen Wendepunkt angekommen. Schätzungsweise in 3 Jahren wird die ägyptische Glasindustrie die europäischen Qualitätsstandards für Behälterglas erfüllen können.


Quelle: OGIS GmbH, www.glassglobal.com (vorstehender Bericht wurde aus öffentlich zugänglichen Firmeninformationen und Presseberichten erstellt, Text- und Bildmaterial: Hadia Mostafa, Mohsen Allam)

 
 

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