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Bosch plant Übernahme in Milliardengröße
06.06.2008
Stuttgarter Autozulieferer steigt ins boomende Geschäft für Solarzellen ein
Für Experten kommt die Übernahme des Solarzellen-Herstellers Ersol AG durch die Robert Bosch GmbH nicht ganz überraschend. Der Stuttgarter Autozulieferer engagiert sich seit längerem bei regenerativen Energien, seit einem Jahr besteht eine Kooperation mit BASF bei organischer Photovoltaik. 1,2 Milliarden Euro will Bosch in zwei Jahren in diesem Geschäft umsetzen.
Der zeitliche Zusammenhang sei rein zufällig, versichert eine Sprecherin der Robert Bosch GmbH. Ende vergangenen Woche hat sich die Berliner Koalitionsfraktion für eine lediglich moderate Absenkung der Einspeisevergütung für Solarstrom entschieden. Die angestrebte Kürzung sei ambitioniert, werde die Entwicklung der Branche aber nicht gefährden, ließ der Bundesverband Solarwirtschaft erklären. Im Vorfeld war Schlimmeres befürchtet worden. Am Montag nun hat der Autozulieferer Bosch seine neuesten Investitionspläne verkündet, die exakt in diesem Bereich liegen. Bosch will die Ersol Solar Energy AG in Erfurt übernehmen. Wenn alle Aktionäre zustimmen, müssen die Stuttgarter rund 1,1 Milliarden Euro hinblättern. Die Genehmigung der Kartellbehörden steht noch aus.
Bosch soll den Anlegern 101 Euro pro Aktie geboten haben
Schon jetzt hat Bosch sich die Mehrheit an Ersol vertraglich gesichert. Die Stuttgarter haben dem Finanzinvestor Ventizz dessen Aktienpaket von 50,45 Prozent zum Preis von 546,4 Millionen Euro abgekauft. Zusätzlich zu Ventizz haben sich bereits weitere Ersol-Aktionäre mit insgesamt 3,3 Prozent zum Verkauf ihrer Anteile verpflichtet, teilte Bosch mit. Damit sind Bosch 53,75 Prozent der Anteile sicher. Den restlichen Aktionären soll ein Übernahmeangebot unterbreitet werden. Dabei soll Bosch den Anlegern 101 Euro pro Aktie geboten haben – genauso viel wie Ventizz erhalten hat.
Neben den Finanzinvestoren hält kein Anleger größere Aktienpakete an dem Anbieter von Solarzellen. Die Schweizer Bank UBS ist mit 3,55 Prozent engagiert, Fortis Investment Management besitzt 3,03 Prozent. Das Management hält 0,63 Prozent, der Rest der Aktien – knapp 50 Prozent – ist breit gestreut. Gleichgültig, wie viele Anteile Bosch einsammeln kann – man scheint schon jetzt zufrieden. "Die Mehrheit reicht uns", sagte ein Sprecherin. Welche Pläne die Stuttgarter mit der Nummer vier auf dem deutschen Markt für Solarzellen verfolgen, dazu wollte sie sich aber nicht äußern.
"Bosch trägt als führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit nutzbringenden Produkten und Lösungen in besonderem Maße zur Umwelt- und Ressourcenschonung bei. Dieses Geschäft wollen wir in Richtung Photovoltaik gemeinsam mit Ersol ausbauen", kommentierte Franz Fehrenbach, der Vorsitzende der Bosch-Geschäftsführung, die Übernahme. Photovoltaik wächst seit längerem zweistellig – und zwar Jahr für Jahr. Rund 100 Hersteller tummeln sich mittlerweile in dem Geschäft allein in Deutschland und erzielen damit einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro. Ersol setzte mit rund 1000 Mitarbeitern im vergangenen 160 Millionen Euro um, das sind 25 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Für das laufende Jahr sind mehr als 300 Millionen Euro geplant. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag im vergangenen Jahr bei 22,3 Millionen Euro (plus 10,1 Prozent).
Gesunken ist dagegen der Jahresüberschuss – und zwar um knapp 30 Prozent auf 8,7 Millionen Euro. Grund seien das deutlich schlechtere Finanzergebnis. Die Übernahme-Pläne werden vom Ersol-Management unterstützt. Allerdings hat Ersol-Chef Claus Beneking am Montag seinen Abschied in den nächsten Monaten angekündigt; "aus persönlichen Gründen". Regenerative Energien sind für Bosch kein neues Geschäftsfeld. Über die Tochter Rexroth werden Getriebe- und Antriebstechnik für Windenergieanlagen geliefert, zudem werden effiziente Antriebskonzepte für die Meeresenergiegewinnung entwickelt. Die Tochter Thermotechnik ist Marktführer für Elektrowärmepumpen. Und seit längerem beschäftigt sich Bosch auch mit Photovoltaik.
Seit einem Jahr kooperieren die Stuttgarter mit der Ludwigshafener BASF und der Dresdner Heliatek auf dem Gebiet der organischen Photovoltaik. Ziel dieser Zusammenarbeit ist – vereinfacht ausgedrückt – aus hauchdünnen Folien, die auf Fassaden oder Glas ausgebracht werden, Energie zu erzeugen. Die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen; marktfähige Produkte seien frühestens 2015 zu erwarten, sagte ein Sprecher. Insgesamt wird Bosch mit regenerativen Energien in diesem Jahr 750 Millionen Euro umsetzen – ohne Ersol. Bis 2010 werde ein Umsatz – wieder ohne Ersol – von 1,2 Milliarden Euro angestrebt.
Quelle: Robert Bosch GmbH / Stuttgarter Zeitung