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Solarmacht Bayern

29.06.2009

Freistaat könnte von neuer Stromtechnik profitieren

Ein Flecken auf der Erde, etwa so groß wie Bayern, bedeckt mit Parabolspiegeln, würde ausreichen, um die Welt mit Strom zu versorgen. Das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt hat diesen Raumbedarf errechnet. Seit dieser Woche sind die Überlegungen, die mitunter als Spinnerei abgetan wurden, handfester geworden. In der Süddeutschen Zeitung hatte der Versicherungskonzern Münchener Rück die Gründung eines Firmenkonsortiums angekündigt, das Solarstrom aus Afrika nach Deutschland bringen will. Im Juli wollen sich die Münchener Rück, Siemens, die Deutsche Bank und der Energiekonzern RWE zu einem Konsortium zusammenschließen. 400 Milliarden Euro sollen in den Bau von Solaranlagen investiert werden.
Und wieder könnte Bayern mit dabei sein, diesmal nicht als schnödes Vergleichsobjekt, sondern als Zulieferer und Profiteur. "In Bayern und Franken gibt es eine entsprechende Forschungslandschaft und Produzenten", sagt der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Günter Gloser. Das sei "eine gute Chance", um sich zu beteiligen, glaubt der fränkische SPD-Politiker, der sich seit Jahren mit Solarstrom aus der Mittelmeerregion befasst.

Tatsächlich finden sich vor allem in Nordbayern namhafte Firmen, die im Solarbereich forschen und produzieren. Dabei sollen in Afrika nicht mehr die altbekannten flachen Solarmodule eingesetzt werden, sondern Parabolspiegel, die Flüssigkeiten erhitzen und damit Turbinen antreiben.

"Wir haben in Süddeutschland nahezu das gesamte Knowhow, um so etwa umzusetzen", sagt Axel Buchholz, Vorstandsvorsitzender des Nürnberger Mittelständlers Flabeg. Seit den siebziger Jahren forscht das Unternehmen am perfekten Reflektor. 93 Prozent des Lichtes werfen die vier bis fünf Millimeter dicken Hightech-Gläser inzwischen zurück. Dabei treffen die Strahlen am Brennpunkt oft auf blau schimmernde Glasröhren aus der Oberpfalz und erhitzen damit Öl auf 400 Grad Celsius. Die Firma Schott Solar produziert diese Vakuumröhren in Mitterteich. Die Firma Solar Millennium aus Erlangen fügt die Komponenten dann wiederum zusammen. In Spanien ist so im Dezember das Solarkraftwerk Andasol 1 in Betrieb gegangen - bestückt eben vor allem mit Teilen bayerischer Unternehmen, geplant von der bayerischen Firma Solar Millennium. "Wir planen, finanzieren und betreiben derartige Solaranlagen", sagt Sprecher Sven Moormann, dessen Unternehmen auch an dem Afrikakonsortium beteiligt sein wird. "Bayern ist dabei technologisch Weltmarktführer", lautet seine Einschätzung.

Das sieht Professor Wolfgang Arlt von der Uni Erlangen ähnlich: "Wir sind gut aufgestellt", sagt der Chef des dort entstehenden Energiecampus. Arlt weist jedoch darauf hin, dass die entscheidende Frage der Energiekette bislang nicht im Fokus der bayerischen Firmen stehe. Dies müsse nachgeholt werden, wenn der Freistaat in eine Vorreiterrolle kommen wolle. Und die Grünen fordern nach dem Umdenken bei den Unternehmen auch ein Umdenken bei der Energiepolitik und eine verstärkte Forschung in dem Bereich. "Das Festhalten in Bayern an der Atomenergie verhindert dringend benötigte Investitionen auf Zukunftsmärkten wie dem Solarbereich", kritisierte Landeschef Dieter Janecek.


Quelle: Süddeutsche Zeitung


 
 

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